Iliosakralgelenk:

Symptome, Ursachen & Behandlung

Kleines Gelenk – große Wirkung: Das Iliosakralgelenk (ISG)

Rückenschmerzen im unteren Bereich sind eine der am häufigsten vorkommenden Schmerzen. Gerade das Iliosakralgelenk (auch ISG) ist oftmals der Auslöser dieser Beschwerden. Und das geht nicht selten auf das Konto unserer Lebensweise: Bewegungsmangel, Fehlhaltung oder Stress sind häufige Ursachen eines ISG-Syndroms. Folgend findest du alles zum Thema: Iliosakralgelenk.

Eine vollumfängliche Übersicht zu allen für dich relevanten Fragen findest du folgend.

Erfahre hier alles über Ursache, Diagnose und Behandlung des ISG-Syndroms

Nur wenige Zentimeter ist das Iliosakralgelenk (kurz ISG, auch SIG oder Sakroiliakalgelenk) groß und zählt daher zu den kleineren Gelenken des menschlichen Körpers. Es ist Teil des Beckens und verbindet das Darmbein (Os ilium) mit dem Kreuzbein (Os sacrum). Das Kreuzbein steht in gelenkiger Verbindung mit der Wirbelsäule, während das Darmbein (Beckenschaufel) die Gelenkpfanne des Hüftgelenks beherbergt. Das ISG ist damit ein wichtiger Teil der Einheit aus unterer Wirbelsäule-Becken-Hüfte.

Was dieses Gelenk besonders auszeichnet, sind zwei Dinge: zum einen ist es aufgrund von festen Bandverbindungen, die das Gelenk umgeben und überziehen ein sehr stabiles Gelenk. Verglichen beispielsweise mit dem Hand- oder Fußgelenk weist es keine große Beweglichkeit auf.

Das hat gute Gründe – und diese liegen in der zweiten Besonderheit: das Iliosakralgelenk ist Teil des Beckenrings, der wiederum eine wichtige Funktion für die Kraftübertragung vom Rumpf auf die Beine übernimmt – beispielsweise beim Heben und Tragen. Auch in umgekehrter Richtung überträgt der Beckenring Kraft von den Füßen und Beinen nach oben, etwa beim Laufen oder Springen.

Im Alltag bedeutet das: wenn Du eine Kiste Wasser rückengerecht trägst, so wird die Belastung für die Rückenmuskulatur dank der Form und Funktion des Beckenringes zumindest teilweise nach unten auf die kräftigere Beinmuskulatur übertragen. Damit diese Belastung keine Rückenschmerzen auslöst benötigt der Beckenring Stabilität – und ein funktionsfähiges ISG.

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Definition: Das ISG-Syndrom

Schmerzen im unteren Rückenbereich oder der Beckengegend können durch Störungen im Iliosakralgelenk hervorgerufen werden. Die Ursachen dafür können Abnutzung, Entzündungen, Instabilität oder eine Blockierung der beiden Gelenkflächen sein.

Bei Männern ist das Iliosakralgelenk aufgrund der mit Rillen und Wölbungen versehenen Gelenkflächen weniger beweglich als bei Frauen, die über glattere Gelenkflächen verfügen. Frauen sind auf eine größere Beweglichkeit des Gelenks angewiesen, um den Geburtsvorgang, bei dem das Kind durch den Beckenring gleitet, nicht zu behindern.

Probleme im Iliosakralgelenk betreffen darum häufiger Frauen. Sie erzeugen meist lokale Schmerzen, die durch ISG-Blockaden oder Überlastungen ausgelöst werden. Oft wird hier nicht weiter zwischen generellen Kreuzschmerzen und ISG-Affektion unterschieden. Für die Behandlung ist diese Unterscheidung jedoch wichtig.

ISG-Syndrom

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Wo liegt das ISG eigentlich?

Wenn Du das Iliosakralgelenk bei Dir selbst ertasten möchtest, so spreiz einfach die Daumen von den Fingern weit ab und lege Deine Finger seitlich auf den linken und rechten Beckenkamm, so dass die Daumen nach hinten unten zeigen.

Nun mit den Daumen langsam nach unten gleiten bis sie auf zwei markante, knöcherne Erhebungen stoßen.

ISG

Dabei handelt es sich um die beiden hinteren oberen Enden des Darmbeinkammes, die an dieser Stelle die gelenkige Verbindung mit dem Kreuzbein eingehen und so das „Kreuzbein-Darmbein-Gelenk“, also das Iliosakralgelenk, bilden.

Vom Experten: Gerd Ibele

Physiotherapeut und Heilpraktiker für Physiotherapie
Seit über 20 Jahren Leiter einer Praxis für Physiotherapie

Symptome eines ISG-Syndroms

Hauptsymptom des ISG-Syndroms sind Schmerzen. Meist treten die Beschwerden lokal in direkter Nähe des Iliosakralgelenks auf. Von dort aus können sie bis in die Kniekehle oder auch die Leiste ausstrahlen. Auch unspezifische Schmerzen im Gesäß, mit Ausstrahlungen in die Hüfte oder den unteren Rücken können durch ISG-Affektion ausgelöst werden.

Die Schmerzen treten meist bei ungünstiger Belastung wie Stehen, Beugen oder Drehbewegungen des Rumpfs oder bei längerem Sitzen auf. So können beispielsweise Autofahrten zu Beschwerden führen, da hier wenig Variation der Sitzposition und zumeist ein tiefes Sitzen der Fall sind. Auch ungewohnte Tätigkeiten wie Gartenarbeit oder andere körperlich belastende Arbeiten können dazu führen, dass die beiden Gelenkpartner des Iliosakralgelenks sich verkanten – die ISG-Blockade entsteht.

Mit einer ISG-Problematik gehen häufig auch Irritationen der Becken-Muskulatur einher. Am meisten betroffen sind der Musculus piriformis sowie der Musculus iliopsoas, ein kräftiger Hüftbeuger. Diese wiederum können auf den Ischiasnerv drücken und ausstrahlende Schmerzen ins Bein verursachen.

Ischiasschmerzen

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Diagnose: ISG-Syndrom oder doch ein Bandscheibenvorfall?

Die Diagnose bei Beschwerden im Bereich des Iliosakralgelenks erfolgt durch eine genaue Beschreibung von Lokalisation und Art der Schmerzen sowie der Lebensgewohnheiten des Betroffenen (Anamnese). Darauf folgt die manuelle Untersuchung, um festzustellen, ob sich beide Iliosakralgelenke auf gleicher Höhe und Ebene befinden und den gleichen Bewegungsablauf bei Bewegung des Beckens aufweisen (Vorlauf- /Rücklauf-Phänomen).

In sogenannten Provokationstests lässt sich unterscheiden, ob unspezifische Beschwerden aus Störungen des Iliosakralgelenks oder anderen Gelenken wie Hüfte oder Wirbelsäule resultieren. Dabei wird ein gleichmäßiger Druck auf das ISG ausgeübt. Lassen sich unter diesem Druck die gleichen Schmerzen auslösen oder verstärken, dann ist davon auszugehen, dass Störungen des ISG die Ursache sind.

Bildgebende Verfahren werden bei einer ISG-Affektion in der Regel nicht eingesetzt. Allerdings lässt sich ein Anfangsverdacht, beispielsweise auf einen Bandscheibenvorfall oder eine Hüftgelenksproblematik, durch ein MRT (Magnetresonanztherapie) oder eine Röntgenuntersuchung ausschließen – und die Ursachen für Deine Rückenschmerzen lassen sich so klar bestimmen.

Ursachen und Risikofaktoren des ISG-Syndroms

Das Iliosakralgelenk verfügt über unregelmäßige Gelenkflächen. Es soll nur eine minimale Beweglichkeit zulassen, ein Gleiten zwischen beiden Gelenkpartnern. Hohe muskuläre und fasziale Kräfte wirken auf das Iliosakralgelenk. Bei Fehlhaltungen oder Belastungen können diese Kräfte die Gleitfunktion der Gelenkkörper einschränken und so zu schmerzhaften Blockaden des Kreuz-Darmbeingelenks (ISG) führen.

Mögliche Auslöser für ISG-Blockierungen bzw. -Beschwerden sind:

  • Instabilität des ISG, bspw. während oder nach der Schwangerschaft
  • Entzündungen
  • Arthrose
  • Unfälle
  • Sportverletzungen
  • Überlastung

Für die Stabilität des Iliosakralgelenks spielen Struktur und Festigkeit des Bindegewebes eine große Rolle. In der Schwangerschaft lockert sich beispielsweise durch hormonelle Einflüsse das Bindegewebe. Dies ist ein erwünschter Vorgang: die Bandstrukturen werden weicher, das Iliosakralgelenk beweglicher – und kann so ein wenig mehr Raum schaffen, um dem Kind den Eintritt in das Becken zu ermöglichen. Auch das Gewicht und die Lage des Kindes können das ISG belasten und so Schmerzen verursachen.

Können die Bänder und Sehnen aufgrund mangelnder Elastizität und Kraftverlust das Iliosakralgelenk nicht mehr ausreichend festigen, so kommt es zu einer Instabilität. Diese kann ebenfalls zu Blockaden des ISG führen, da sich nun beide Gelenkpartner nicht mehr in passender Position zueinander befinden und so leichter verkanten können.

Auch entzündliche Erkrankungen sind mögliche Ursachen für Beschwerden im Iliosakralgelenk. Dies betrifft vor allem Patienten mit Morbus Bechterew, einer chronisch entzündlichen rheumatischen Erkrankung mit der möglichen Folge einer Versteifung der Wirbelsäule. Durch damit einhergehende mechanisch bedingte Überlastung kommt es zu Knochenverdichtungen im Bereich der Beckenschaufel und des ISG.

Dauern Fehlhaltung oder (beruflich bedingte) Belastungen über einen längeren Zeitraum an, kann auch das ISG eine Arthrose, also die Abnutzung der Gelenkflächen, entwickeln.

Auch Unfälle oder Verletzungen, Stauchungen oder Prellungen beispielsweise infolge von Ballsportarten können eine Blockierung auslösen mit der Folge eines ISG-Syndroms.

Therapie: Blockaden lösen und das Gleichgewicht wiederherstellen

Im Vordergrund steht das Lösen der Blockierungen, da diese die Hauptursache für die Schmerzen sind. Dies kann durch manuelle Therapie im Rahmen von Physiotherapie, aber auch eine gezielte Selbstbehandlung erfolgen. Generell gilt es, das muskuläre Gleichgewicht wiederherzustellen und die Einheit Becken-Wirbelsäule-Bein ins Lot zu bringen. Dies geschieht durch:

  • Bewegung: Probiere es aus und entscheide selbst, was Dir guttut: ein ausgedehnter Spaziergang, Schwimmen, schonende Gymnastik, Yoga oder Dein Lieblingssport. Das wichtigste ist: bleibe in Bewegung!
  • Dehnung der Beckenmuskulatur, vor allem des Musculus Piriformis und des Musculus Iliopsoas. Eine Anleitung dazu findest Du in unserem Video.
  • Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur durch gezielte Übungen
  • Entlastung: Rückenschonendes Heben und Tragen sowie Pausen in bequemer Rückenlage sorgen dafür, dass Dein Iliosakralgelenk zur Ruhe kommt und die Muskulatur sich regeneriert.
  • Kinesio-Tape: Ein Tape kann Entlastung in das Iliosakralgelenk bringen, da es die Stabilität ersetzt, die in der aktuellen Situation durch Bänder und Muskeln nicht gegeben ist.
  • Wärme: Probiere selbst aus, ob Dir ein warmes Bad oder eine Wärmflasche im Bereich des ISG guttun. Ist das ISG akut entzündet, so solltest Du auf Wärme verzichten, sind aber die Muskelansätze verspannt, wird Wärme die Schmerzen lindern.

Verlauf und Prognose

So individuell wie der menschliche Körper und die Bewegungsgewohnheiten jedes Menschen, ist auch der Verlauf des ISG-Syndroms. Je früher die Behandlung beginnt, desto schneller lässt sich ein möglicher Teufelskreis aus Schmerz – Schon-/Fehlhaltung – Überlastung – erneutem Schmerz durchbrechen.

Weitere Faktoren, die den Verlauf beeinflussen sind:

  • Körpergewicht: ein hohes Körpergewicht mit einer ungünstigen Verteilung der Massen, beispielsweise in der späten Schwangerschaft, belasten das Iliosakralgelenk. Eine Reduktion des Gewichtes nach der Geburt oder – im Falle von Übergewicht – durch eine Gewichtsreduzierung kann die Heilung positiv beeinflussen.
  • Sport: Sportarten wie Joggen auf Asphalt, Squash oder Tennis können das ISG-Syndrom möglicherweise verstärken, da sie Stöße und abrupte Bewegungen auslösen. Walken, Schwimmen oder Radfahren hingegen fördern einen gleichmäßigen Bewegungsablauf und können sich positiv auf eine Heilung auswirken.
  • Lebensweise: Wer eine überwiegend sitzende oder sehr stark körperlich belastende Tätigkeit ausübt, sollte entsprechende Übungen zum Ausgleich in seinen Alltag integrieren, um den Verlauf positiv zu beeinflussen.

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Einem ISG-Syndrom Vorbeugen:

Die Grundlagen der Rückenschule gelten auch für Probleme im Bereich des Beckens. Lies hier unsere sechs Tipps zur Vorbeugung von Rückenbeschwerden.

Häufig gestellte Fragen

Alles zum Thema ISG-Syndrom

Welche Medikamente helfen bei ISG-Schmerzen?

Sind die Schmerzen sehr stark, so wird üblicherweise mit einem Medikament wie Ibuprofen oder Diclofenac eine Erleichterung erzielt (ausgenommen sind Schwangere).

Bevor Du auf Medikamente zurückgreifst, sprich zunächst mit deinem behandelnden Arzt bzw. deiner behandelnden Ärztin.

Was tun bei einer ISG-Blockade?

Bei einer Blockade des ISG kann Dein Therapeut anhand von manueller Therapie und durch gezielte Übungen das Iliosakralgelenk deblockieren und gezielt stabilisieren. Du kannst dies auch durch eigene Übungen erreichen. ((LINK))

Was bedeutet die Abkürzung ISG?

Die Abkürzung ISG steht für Iliosakral-Gelenk und bedeutet übersetzt: „Kreuzbein-Darmbein-Gelenk“.

Welche Schlafposition ist die beste bei einer ISG-Blockade?

Kurz gesagt: es ist die Position, in der Du die wenigsten oder keine Schmerzen hast. Generell solltest Du versuchen, die Wirbelsäule beim Schlafen in ihrer physiologischen Form zu unterstützen – das wirkt sich auch positiv auf das Iliosakralgelenk aus.

In Rückenlage bedeutet das: die leichte Wölbung der Lendenwirbelsäule (physiologische Lordose) sollte gewahrt, aber durch die Matratze oder anderes Lagerungsmaterial unterstützt sein.

In Seitenlage sollte die Wirbelsäule gerade sein, hier lohnt es sich eventuell, die Taille zu unterlagern oder eine Decke zwischen die Knie zu legen. Die Bauchlage ist nicht zu empfehlen, aber möglich, sofern sie keine Schmerzen verursacht.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen!

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